Ulrich Wessinger

Malerei

Ergänzung zur Fotografie

Die Versuchung
Die Versuchung

Einige Jahre später begann ich mich an die Malerei zu wagen, eine – aus meiner Sicht - perfekte Ergänzung zur Fotografie; hier konnte ich weitaus mehr Fantasie ausleben, da es zu diesem Zeitpunkt noch ausschließlich analoge Fotografie und Entwicklung in der Dunkelkammer gab.

Ich fing mit Bleistiftzeichnungen, genauer Portraits, an, arbeitete mich dann autodidaktisch über Bilder mit Wasserfarben und Miniaturen zu meinen eigenen Stil, den ich „Sensitivismus“ nannte.

 

Phantasie auf Leinwand bringen

Zunächst gab das Malen die Möglichkeit, die Bilder meiner Phantasie und meiner Gefühlswelt darzustellen. Die digitale Welt gab es zu dieser Zeit noch nicht, zumindest nicht für den Normalmenschen. In der Malerei konnte ich Stimmungen ausdrücken, Erlebnisse verarbeiten und versuchen, meinen eigenen Stil zu finden.

Autodidakt, eigenen Stil finden

Zu jeder Zeit wollte ich meinen eigenen Stil finden, mich unabhängig machen von Normen und Vorschriften. Kunst, egal in welchem Bereich, ist für mich die Möglichkeit, sich frei zu fühlen, frei zu interpretieren und dadurch neue Erkenntnisse zu gewinnen, sowohl im künstlerischen Bereich als auch in der eigenen Gefühlswelt.

 

Tempus fugit
Tempus fugit
Afrikanische Impression
Afrikanische Impression

 

Darum habe ich auch keine Kurse besucht, sondern – immer mein jeweiliges Ziel vor Augen – mir die jeweils benötigten Materialien gekauft und losgelegt. Sehr schnell merkte ich, was machbar war, was nicht und wie ich die jeweiligen Utensilien einsetzen musste, um in die Nähe des von mir gewünschten Ergebnisses zu kommen.

 

Abwärts
Abwärts
Mondaufgang
Mondaufgang
Melancholie
Melancholie
Jahrmarkt der Gefühle
Jahrmarkt der Gefühle

 

Gefühle auszudrücken hat für mich einen hohen Stellenwert, da ich zum Abbilden von Gegenständen die Fotografie heranziehen kann. Zudem kann ich mit der Malerei Prozesse darstellen, die sich an der Grenze zum Bewusstsein abspielen, aber doch nicht bewusst werden – mehr eine Ahnung als ein konkretes Wissen. Sich darauf einzulassen und diese Impressionen umzusetzen, zu übertragen, erzeugt eine sehr große Zufriedenheit in mir.

 

B. und die Brandstifter
B. und die Brandstifter
Laser
Laser

 

Zudem habe ich immer mehr Wert auf die Wahrnehmung meiner Gefühle gelegt, als auf das Äußere, das sich in unserer Gesellschaft durch Lautstärke, Protzen und Egoismus darstellt. Die feinen, leisen und vielschichtigen Empfindungen sind mir viel wichtiger, da sie zur Selbstwahrnehmumg und zu mehr (Selbst-)Verständnis führen.

Skizzen

Es gab und gibt Zeiten, in denen ich einen Skizzenblock neben mir liegen habe, um eine Idee mit einigen Strichen festzuhalten, bevor sie verblasst und eine andere Idee folgt. Manchmal habe ich innerhalb von Minuten zehn Skizzenblätter gefüllt, manchmal formt sich nur eine Idee. Auch setze ich nicht alle Skizzen in Bilder um, da immer wieder neue Ideen folgen.

Skizze zu Chacun à son goût
Skizze zu Chacun à son goût
Chacun à son goût
Chacun à son goût

Miniaturen

Während meines Studiums in Freiburg war die ersten zwei Jahre der Platz sehr beschränkt, da ich ein möbliertes Zimmer mit ca. 12m² bewohnte. Deshalb begann ich Miniaturen zu malen, hauptsächlich Bäume in allen Variationen.

Auslöser war, als ich in der Vorweihnachtszeit den Freiburger Weihnachtsmarkt besuchte. Dort gab es einen Stand, der selbst hergestellte Holzrahmen verkaufte. Wahrscheinlich zur Ergänzung seines Angebotes gab es auch Miniaturen, fertig gerahmt. Ich suchte noch nach einigen Kleinigkeiten, da ich die großen Geschenke schon hatte. Meine anfängliche Begeisterung schlug jedoch sehr bald um, als ich entdeckte, dass es sich bei den Miniaturen nur um drei, vier verschiedene Motive handelte, die jeweils 50mal kopiert worden waren und sich nun in langen Reihen vor mir erstreckten.

Ich kaufte natürlich nichts, ging in das nächste Künstlerbedarfsgeschäft, kaufte dort einen Zeichenblock mit hochwertigem Papier, verschiedene Wasserfarben, Pinsel und Tuschefedern mit Durchmessern von 0,13mm, 0,18mm und 0,25mm und natürlich gleich einen kleine Vorrat an Tuschepatronen, mit denen sich diese Tuschefedern ohne Kleckserei problemlos füllen ließen.

Und dann legte ich los: Wasserfarben in verschiedenen Mustern auf das Papier auftragen, trocknen lassen, einen Zeichenbereich festlegen – schließlich wollte ich Miniaturen zeichnen, also durften diese Bilder nicht zu groß werden – und dann loslegen mit den verschiedenen Tuschefedern. Ich merkte schnell, dass es wichtig war, sowohl auf die Menge der Farbe zu achten, die ich auftrage als auch welche Farbe es ist. War die Farbschicht zu dick, hatte ich Probleme, mit der Tuschefeder darauf zu zeichnen, denn sie schob die Farbe vor sich her und verstopfte irgendwann. Ganz besondere Vorsicht war bei der Feder mit 0,13mm Durchmesser geboten, denn diese verstopfte besonders leicht wegen ihrer geringen Breite. Wählte ich Farben, die mit Weiss vermischt hatte oder auch reines Weiss aus der Tube, war die Farbe von der Konsistenz her viel weicher als beispielsweise eine gebrannte Sienna ohne weiße Beimischung. Aber auch hier fand ich eine Lösung: nach dem Trocknen habe ich den jeweiligen Hintergrund mit mattem Fixierlack der Fa. Schmincke überzogen – einer der der wenigen, die damals nach dem Trocknen keinen Gelbstich hatten – und konnte dann hervorragend weiterzeichnen.

Mit jeder fertig gestellten Miniatur sind meine Sicherheit und mein Wissen weiter gewachsen.

Und an Weihnachten waren die selbst geschaffenen Miniaturen der Renner. Sie stellten sogar die eigentlichen - großen - Geschenke in den Schatten.

Impression XM
Impression XM
Herbstfrüchte
Herbstfrüchte
Abendsonne
Abendsonne
Reduktion
Reduktion
Letzte Änderung: Samstag, 09.12.2017   |   Erstellt von TYPO3-Beratung.com, Nürtingen/Pforzheim
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